Mehr Herzinfarkt-Tote in Zeiten der Pandemie:

Professor Michael Weber, Chefarzt der Kardiologie an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, appelliert nach Studie an Patienten mit Herzbeschwerden

Darmstadt-Dieburg. Die Corona-Pandemie hat die Menschen weltweit im Griff und steht im Mittelpunkt des Geschehens in Krankenhäusern und Kliniken. Dabei kann die Angst vor Corona auch tödliche Folgen haben, ohne unmittelbar mit dem Virus infiziert zu sein. Eine aktuelle Studie, an der neben weiteren hessischen Kliniken auch die Kreisklinik Darmstadt-Dieburg beteiligt war, zeigt für Herz-Patienten alarmierende Zahlen auf:
Zum ersten Mal haben Kardiologen alle Todesfälle in Hessen während des ersten Lockdowns zwischen Ende März und im April 2020 untersucht. „Es gab in dieser Zeit fast 12 Prozent mehr Herzinfarkt-Tote als im Vergleichszeitraum des Vorjahres 2019“, erläuterte Professor Michael Weber, Chefarzt der Kardiologie an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg in Groß-Umstadt. Nach Webers Angaben, der an der Studie mitgearbeitet hat, starben von 5984 Todesfällen hessenweit 1977 an Herzinfarkten – 208 mehr als 2019.
Auch die Anzahl von Herzkatheter-Eingriffen, die wegen eines akuten Herzinfarktes an den Kreiskliniken in Groß-Umstadt durchgeführt wurden, war in dieser Zeit geringer (2019: 68 /2020:37).
2019 wurden im März/April 2019 184 Herzkatheter-Untersuchungen vorgenommen, 2020 während des Lockdowns im Frühjahr noch 90. 40 Myokardinfarkte wurden zwischen dem 23. März 2019 und dem 26. April 2019 an den Kreiskliniken behandelt, im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 waren es 27 Myokardinfarkte – so die Zahlen aus Groß-Umstadt.

„Es ist davon auszugehen, dass sich Patienten mit ihren Herzbeschwerden nicht in ärztliche Behandlung begeben haben“, so die Einschätzung von Professor Weber. „Sie hatten womöglich Angst, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren und sind zuhause geblieben.“

Professor Michael Weber appelliert daher: „Wer sich unwohl fühlt und Herzbeschwerden hat, soll sich auch in Zeiten der Pandemie keinesfalls scheuen, zum Arzt zu gehen. Wir behandeln auch in Corona-Zeiten selbstverständlich Herzinfarkte und können so Leben retten.

Zur Person:
Der Kardiologe Prof. Dr. Michael Weber, geb. 1962 in Darmstadt, ist seit 1995 approbierter Arzt. Nach langjähriger Tätigkeit am St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg kam Prof. Weber 2001 an die renommierte Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Dort widmete er sich ganz der interventionellen Kardiologie und wurde schließlich 2008 Leiter des Herzkatheterlabors. In der Forschung erlangte Prof. Weber weltweite Bekanntheit im Rahmen der Biomarker Forschung, insbesondere im Hinblick auf Herzinsuffizienz Marker im Blut bei verschiedenen kardialen Erkrankungen. Die Habilitation im Fach „Innere Medizin“ folgte in 2007 und 2016 schließlich die Ernennung zum Professor an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt/Main. Seit 2010 leitet Prof. Weber die Klinik für Innere Medizin II, Kardiologie und Angiologie an den Kreisklinik Darmstadt-Dieburg in Groß-Umstadt.


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